Die Mitglieder des Doktoratsprogramms Literaturwissenschaft

Das Doktoratsprogramm Literaturwissenschaft setzt sich aus rund 40 Doktorierenden der Literaturwissenschaft zusammen.

Erfahren Sie hier, woran sie forschen (manche Projekttitel wurden gekürzt, damit sie auf eine Zeile passen).

Europe East and West: Literary Negotiations of a Blurry Borderline 
Anglophone Literatur- und Kulturwissenschaft

Blanka’s thesis is focused on depictions of Eastern European spaces and inhabitants in the contemporary British literary and cultural discourses particularly travel writing from the classics of Patrick Leigh Fermor and Rebecca West to Nick Hunt’s and Tony White’s footsteps narratives, tourist guidebooks; newspaper articles; popular fiction; photojournalism such as Paul Kaye’s Fragments or Jan Morris’s Over Europe; and television documentary series such as BBC’s Michael Palin’s New Europe and Jonathan Dimbleby’s Russia: A Journey with Jonathan Dimbleby. The concept of ‘contemporariness’ used here is related to that of communicative memory (Jan and Aleida Assmann) which spans about 80 to 90 years suggesting a shared intergenerational cultural imaginary.

The overarching theoretical approach is Bertrand Westphal’s geocriticism – an interdisciplinary approach to understanding literature in relation to space informed by the notions of ‘cultural memory’ and the ‘spatial turn’, and which argues for the analysis of both spatial and temporal dimensions of literary texts as well as intertextual and intermedial comparisons of various narratives with a common spatial setting.

Blanka’s inquiry seeks to answer the following questions: Where do these narratives locate Eastern Europe? What role do itineraries play in the perception of the European east? What kinds of Eastern Europe and eastern Europeans have been constructed in predominantly British but also other English-speaking narratives from the interwar period of the twentieth century until today? How do the depictions of the interwar period compare to those of the Cold War and the post-Wall periods? To what extent are the early 1990’s depictions of Eastern Europe similar or different from the more recent ones?

The key argument is that the apparent stability of pervasive orientalist discourses and West/East dichotomies is rendered unstable by a number of factors: by the mobile nature of Eastern European cultural and other geographies; by various itineraries which sometimes carve new and unexpected routes into and ways of seeing ‘the east’; by the encounters with locals which challenge and defy the authoritative voice of the travel writer; by the author’s self-awareness of their own limitations imposed by linguistic and other barriers.

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blanka.blagojevic@clutterunibas.ch

Auratisierte Leistungskörper in der Literatur der 1920–30er-Jahre
Deutsche Literaturwissenschaft

Das Dissertationsprojekt situiert sich innerhalb des SNF-Projekts „Aura und Effizienz. Leistungsorientierte Materialisierung und Spiritualisierung in der Literatur der 192030er-Jahre: Emmy Hennings, Marieluise Fleisser, Friedrich Glauser und Bruno Goetz“ (Projektleitung: Prof. Dr. Hubert Thüring). In diesem Projekt wird untersucht, wie die nach dem Ersten Weltkrieg im Zeichen der Leistung von Wissenschaft, Ökonomie und Medien forcierte Doppelstrategie einer wechselweisen Materialisierung und Spiritualisierung von körperlichen und seelisch-geistigen Funktionen und Prozessen in der Literatur der 192030er-Jahre thematisiert, performiert und reflektiert wird.

Vor diesem Hintergrund wendet sich das Dissertationsprojekt am Leitfaden des modernen Leistungskörpers der Wechselwirkung zwischen Aura und Effizienz insbesondere in den Werken von Emmy Hennings und Marieluise Fleisser zu. Hierbei wird der These nachgegangen, dass der lebendige und tätige Körper in der Moderne ab 1900 zur Experimentierfläche für die Sehnsucht nach diesseitiger Transzendenz wie auch zum Abbild von Devianz avanciert und gleichermassen als Schauplatz von Rationalisierung wie auch von Spiritualisierung gelesen werden kann. Diese Unentschiedenheit findet sich in den Werken der genannten Autorinnen sowohl in als auch zwischen denDiskursen eingeschrieben. Das Projekt wird sich den literarischen Suchbewegungen rund um das Verhältnis von Körper, Seele und Geist durch die Folie von diskursanalytischen und philosophischen Ansätzen zuwenden, um so die spezifisch literarische Erkenntniskraft unter dem Doppelaspekt von Aura und Effizienz herausarbeiten zu können.

jael.bollag@clutterunibas.ch

Jael Bollags Profilseite

Nouvelle édition critique de l’Essai sur les hiéroglyphes des Égyptiens (trad. fr. 1744) de William Warburton
Französische Literaturwissenschaft

L’Essai sur les hiéroglyphes des Égyptiens est publié à Paris en 1744. Il s’agit de la traduction d’une partie de l’ouvrage de l’évêque anglais William Warburton (1698–1779), intitulé The Divine Legation of Moses (Londres, 2 tomes, 1738–1741). Le traducteur prend soin de justifier, dans sa préface, l’extraction d’un chapitre de son contexte pour en faire une œuvre à part entière. Cependant, ce geste de fragmentation est accompagné d’un remaniement à travers des changements d’ordre éditorial (ajout de manchettes, de paragraphes et de notes) et donne par-là lieu à un conflit inévitable entre l’admiration pour la réflexion d’un auteur étranger et le souci de produire un texte français cohérent, clair et harmonieux. L’ouvrage de Warburton a suscité la polémique au moment de sa publication. Cette édition critique doit donc avant tout fournir des éléments de contextualisation en rendant accessibles des documents complémentaires (lettres, comptes rendus, libelles, etc.) ainsi qu’en présentant les divers camps (philosophes, déistes, « Freethinkers », théologues, etc.) qui interviennent dans ce débat autour de l’authenticité de la révélation divine de Moïse et, plus généralement, de l’interprétation des textes bibliques entre une lecture strictement littérale et une exégèse allégorique. En deuxième lieu, il s’agira d’analyser la démarche apologétique de Warburton En effet, la démonstration philosophique acquiert la même qualité de preuve que d’autres méthodes scientifiques au sein de cet ouvrage. La stratégie argumentative de l’érudit est celle du dialogue avec ses prédécesseurs et ses contemporains. Cette démarche lui permet de développer son argumentation sur la base des recherches déjà effectuées, notamment la réflexion sémiologique autour des hiéroglyphes. En dernier lieu, il conviendra de rapprocher l’Essai sur les hiéroglyphes d’autres écrits sur l’origine et l’évolution de l’écriture, comme l’Essai sur l’origine des connaissances humaines de Condillac ou de L'Essai sur l'origine des langues de Rousseau. C’est ainsi que l’œuvre de Warburton pourra être rendue accessible, à travers une édition suffisamment historicisée, aux lecteurs du XXIe siècle.

Sarah Brämers Profilseite

sarah.braemer@clutterunibas.ch

Lyrischer Kubismus. Ein neuer Blick auf Rilkes Spätwerk
Deutsche Literaturwissenschaft

Der Nachweis, dass Rilke in seinem Spätwerk einer dem Kubismus sich annähernden Poetik folgt, erlaubt ein neues Verständnis der Hermetik der späten Gedichte, insbesondere der Duineser Elegien. Ebenso wie den kubistischen Gemälden fehlt ihnen eine deutliche thematische Figur. Vielmehr handeln sie davon, wieso sie eine solche nicht besitzen. Auch für den Kubismus liegt eine Interpretation nahe, die in ihm eine Reflexion über die Möglichkeit eines Ausbleibens der Figur sieht.

Die Illusion von Körperlichkeit im kubistischen Bildraum wird aber nie ganz aufgehoben. Was geschieht, ist, dass an keiner Stelle im Gemälde deutlich auszumachen ist, wo sich die Grenze zwischen Figur und Grund befindet. Dabei verweisen die eingefügten Fragmente von `Realität` (Tapetenstücke, Zeitungsausschnitte, gedruckte Buchstaben), die eine neue Form von nicht mehr der Illusion von Bildraum unterlegenen Figuren darstellen, auf die Bildoberfläche. Der Grund ist nicht mehr das Transportmittel für die Figur, sondern beide werden als gegenseitige Bedingung füreinander wahrnehmbar.

In Bezug auf Rilkes Gedicht zeigt sich das zum Beispiel so: In der Fünften Elegie wird die Figur der `Akrobaten`, um die es zu scheinen geht, nicht vorstellbar gemacht. Die thematische Figur wird im Wirbel der Worte aufgelöst. Stattdessen steht aber ein einzelner Buchstabe A so prägnant da, als ob er auf einer Bühne stünde. Und zwar ganz vorne, auf der Textoberfläche, wo alles aus Buchstaben besteht. Der Text als Medium für die Figur und die Figur sind somit nicht mehr wirklich unterschieden. In einem anderen Beispiel aus den Sonetten an Orpheus wird die Unterscheidung zwischen Figur und Grund aufgehoben, indem die Tanzfigur, um die es zunächst zu gehen scheint, den Raum als Klang immer mehr in sich hineinwirbelt und so als Klangfigur inszeniert wird.

Der Kubismus bietet eine Möglichkeit neben anderen, präzise über das eigenartige Verhältnis von Figur und Textualität bzw. Lautlichkeit in Rilkes Spätwerk zu sprechen, ohne den Gedichten interpretatorisch eine Figur aufdrängen zu müssen.

laura.catania@clutterunibas.ch

Hacia un teatro situado: sacar a la luz los manuscritos inéditos de Raúl Ruiz bajo la perspectiva de los conocimientos situados
Iberoromanistik

Bei diesem Forschungsprojekt handelt es sich um ein interdisziplinäres Projekt, in dem die Archivarbeit mit Handschriften, Literatur, Philosophie und Theater konvergieren .

Ausgangspunkt ist die Wiederaufnahme der unveröffentlichten Theatertexte des renommierten franco-chilenischen Filmemachers, Raúl Ruiz (1941, Puerto Montt – 2011, Paris). Gleichzeitig zu seiner umfangreichen Filmarbeit, die über hundert Filme enthält, legte Ruiz eine beachtliche Theater-Laufbahn zurück als Autor und Regisseur von Theaterstücken und Opern in Frankreich, Italien, Chile usw.

Nach seinem Tod, wurden viele Theatertexte und vorbereitende Skizzen und Zeichnungen für verschiedenen Inszenierungen entdeckt; viele dieser Arbeiten haben nicht umgesetzt werden können. Dieses Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, diese Werke ans Licht bringen.

Das Vorgehen besteht aus einer anfänglichen detaillierten Analyse der Manuskripte, gefolgt von einer theoretischen Betrachtung, diese theoretischen Ergebnisse sollen in einem nächsten Schritt in der Praxis geprüft werden, mit dem Ziel, eines seiner herausragendsten unveröffentlichten Werke auf die Bühne zu bringen.

elisarenata.chaimecheverria@clutterunibas.ch

Elisa Chaims Profilseite

„Ich werde noch ein Buch schreiben, sage ich mir, egal wie lange ich noch habe.“ Die Dokumentation des kranken Ich in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur
Neuere Deutsche Literaturwissenschaft

Wirft man einen Blick auf die aktuellen literarischen Neuerscheinungen, bemerkt man schnell, dass der gegenwärtige Fokus häufig auf der Selbstinszenierung der Autorin resp. des Autors liegt. Bereits 2011 ruft Maxim Biller daher eine neue literarische Epoche aus und spricht von einer „Literatur der Ichzeit“. So ist eine scheinbare Amalgamierung von Autor, Erzähler und Protagonist keine Seltenheit, welche unausweichlich zur inszenierten und kalkulierten Verschmelzung von Autoridentität und Text führt.

Zwar wird die literarische Zurschaustellung und selbstreflexive Narration des Künstlersubjekts meist dazu genutzt, um sich in einer künstlich produzierten und ästhetisierten Realität darzustellen und auf diese Weise dem Zeitalter der Selbststilisierung gerecht zu werden. Dennoch tauchen auch immer wieder dokumentarische Erfahrungsberichte auf, welche Themen behandeln, die in unserer heutigen Gesellschaft scheinbar immer noch tabuisiert werden oder welche die Autorin resp. der Autor als Person der Öffentlichkeit in ein schlechtes Licht rücken oder gar degradieren können, wenn diese ihre individuellen Schwachstellen präsentieren. Hierbei rücken vor allen Dingen Krankheit und Tod in das Spektrum der Selbstdokumentation in der Gegenwartsliteratur. Immer öfter dokumentieren Autorinnen und Autoren ihre persönliche Krankheit in literarischer Form. Hierzu gehören beispielsweise Thomas Melles „Die Welt im Rücken“ (2016) oder auch Ruth Schweikerts „Tage wie Hunde“ (2019).

Das Dissertationsprojekt untersucht die zwei großen Themenfelder Autofiktion und Pathographie in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur. Ersteres geht zurück auf den französischen Schriftsteller und Literaturkritiker Serge Doubrovsky, welcher den Begriff als eine Art Mischverfahren von Autobiographie und dem Einsatz fiktionaler Elemente definiert. Verändert die von der klassischen Biographie abweichende Erzählweise die Rezeption und die Wahrnehmung der Autorenidentität? Welche Auswirkung hat die Amalgamierung von Fakten und der literarischen Herstellung von Realitätseffekten? Kann Autofiktion und die damit einhergehende Selbstreflexion dem schreibenden Subjekt dabei helfen, einen objektiveren Blick auf das eigene Selbst zu bekommen oder verliert es sich im Zwang einer ästhetisierten Selbstdarstellung?

Die Pathographie dient als Methode der Dokumentation und Verarbeitung selbst durchlebter Erkrankungen und kann dem schreibenden Subjekt dabei helfen, durch Selbstreflexion das Erlebte besser zu verarbeiten. Analysiert werden soll unter anderem, mit welchen Erzählverfahren und Schreibstrategien die Autorinnen und Autoren arbeiten, wenn sie ihre eigene Krankheit dokumentieren. Zu untersuchen ist des Weiteren, welche Mittel genutzt werden, um den jeweiligen Texten einen Anspruch auf Authentizität zu gewährleisten. Schließlich soll überprüft werden, ob ein poetologisches Konzept einer subjektiven Authentizität erkennbar wird.

Bei der Untersuchung der Texte soll interdisziplinär vorgegangen werden, denn gleichzeitig können autopathographische Texte einen Dialog mit dem Medizindiskurs und Synergien zu den Medical Humanities herstellen. So sollen die Texte nicht nur auf literaturtheoretischer Ebene narratologisch und rezeptionsorientiert untersucht werden, sondern darüber hinaus auch in einen soziokulturellen Kontext der Wissensvermittlung gesetzt werden. Was kann uns Literatur, welche Krankheit als Narrativ thematisiert, vermitteln?

anna.chatzinikolaou@clutterunibas.ch

L’instrumentalisation de la surprise dans La Comédie humaine : de la stratégie à l’entropie.
Französische Literaturwissenschaft

Ce sujet de recherche porte sur l’instrumentalisation de la surprise dans La Comédie humaine de Balzac, de la stratégie à l’entropie. L’œuvre de Balzac met en scène bon nombre de tacticiens dont les victimes sont, la plupart du temps, condamnées à une mort physique ou psychique en raison d’un processus d’épuisement de l’énergie dans lequel la surprise joue un rôle clé. La tactique est un thème récurrent dans l’œuvre de Balzac – les métaphores militaires s’étendent à de nombreuses sphères de la vie sociale (Frappier-Mazur 1976) – ; cette recherche se concentrera donc avant tout sur les complots, les manipulations et les stratagèmes utilisés par les personnages de Balzac pour surprendre leur victime et atteindre leur(s) objectif(s). On fera appel à la polémologie (Bouthoul) pour décrire et analyser ces stratégies militaires appliquées à la surprise.

On s’intéressera également de près à la dialogique ordre/désordre. En prêtant une attention toute particulière aux causes de l’épuisement de l’énergie dans La Comédie humaine, on remarquera que cette dialogique ordre/désordre est systématiquement impliquée : plus le désordre s’étend dans l’histoire, plus les personnages s’approchent de l’irréversible : leur propre énergie s’épuise (ils meurent ou deviennent fous). Du point de vue de la thermodynamique, on pourrait dire que les personnages balzaciens vont vers leur entropie. Afin de comprendre le rôle que joue la surprise dans ce processus et les formes qu’il revêt, la thermodynamique sera utilisée comme outil d’analyse.

En ce qui concerne la narratologie, cette recherche se concentrera sur l’ambivalence entre les caractères prédictibles et imprédictibles de la surprise. En effet, Balzac et son lecteur savent ce que le personnage ignore souvent (Umberrto Eco, 1989 et Wolfgang Iser, 1974). Une fois encore, Balzac joue avec la dialogique ordre/désordre.

Enfin, comme l’auteur de La Comédie humaine adopte parfois une approche médicale de la surprise (ou du moins physiologique), explicitée dans de nombreuses digressions où elle est conçue comme un choc provoquant une dépense d’énergie, cette recherche s’efforcera de comparer approche médicale et approche militaire dans l’utilisation de la surprise.

alexandra.delcamp@clutterunibas.ch

satura. Aspekte eines monströsen Schreibens in der Antike und um 1800
Allgemeine Literaturwissenschaft

Das interphilologische Dissertationsprojekt versucht, über den Begriff der satura (Satire) einer transhistorischen Poetik von Werken auf die Spur zu kommen, die in ihrer wilden Mischförmigkeit und (inter)textuellen Hypertrophie eine ,monströse‘ Faktur gewinnen. Es gilt, die Satire (satura: Pastete, Pot Pourri) als eine paradoxe ,Unform‘ herauszustellen, als eine Schreibweise, deren Verkehrungsgestus eine dissoziative, mithin selbstzerstörerische Dynamik ins Werk setzt. In der satura verbindet sich intertextuelle Gefrässigkeit mit einer zersetzenden Selbstreflexion. Seine markanteste Ausprägung findet der groteske Textkörper der satura im „Antigenre“ der menippeischen Satire; die literarischen Monstren dieser Tradition lassen schon an der prosimetrischen und vielsprachigen Oberfläche eine genuine Hybridität erkennen. Anders als die am modernen Roman orientierten gattungspoetologischen Grossentwürfe des 20. Jahrhunderts (Frye, Bachtin) arbeitet dieses Projekt am antiken Textkorpus eine Idee der satirischen Unform heraus, deren Prinzipien nicht in die synthetische Totalität der ,Universalpoesie‘ münden. Vielmehr lässt sich an exemplarischen Autoren der Sattelzeit (Friedrich Schlegel, Jean Paul) zeigen, dass in der satura ein Ensemble von poetischen Verfahren überdauert, das noch die Formenvielfalt des Romans der kritischen Zersetzung anheimgibt. Saturierte Texte inszenieren das Scheitern der Assimilation, sie erwachsen aus der anhaltenden Verdauungsarbeit am sprachlichen Material. Indem es die antike satura als einen destruktiven, selbstreferentiellen textus edax profiliert, erschliesst das Dissertationsprojekt ein für die Theorie der Prosa zentrales Paradigma

sina.dellanno@clutterunibas.ch

«[E]r schloß das Gitter, und sagte, er wolle mein Führer sein.» Adalbert Stifter und die (Ver-)Führung der sanften Gewalt
Deutsche Literaturwissenschaft

Das Projekt untersucht die Interdependenz von Führung und Gewalt in Adalbert Stifters Werk und Denken. Führung – verstanden im Sinne gezielter Einflussnahme auf sowie Lenkung (und Formung) von Subjekten – wird als zentrale Chiffre in Stifters Prosa verstanden: Von ihr aus und ihr entlang entfaltet Stifter u. a. Fragen pädagogischer Kontrollpraktiken, politischer Herrschaftsausübung und metaphysischer Ordnungsvorstellungen. Führung beinhaltet dabei stets auch die Gefahr der Ver-Führung – sei es durch demagogische Rhetorik, literarische Persuasion oder überbordende Affekte und Leidenschaften. Unter Aufarbeitung und Einbezug von anthropologischen, politischen, pädagogischen und religiösen zeitgenössischen Diskursen lautet das Ziel des Projekts, Stifters Werk und Denken auf Formen und Praktiken der Führung – und damit auch der Macht und Herrschaft – zu durchleuchten. Es wird postuliert, dass Führung bei Stifter oftmals eng verzahnt mit Phänomenen von (physischer und psychischer) Gewalt auftritt, wobei Stifter sich bemüht, diese Gewalt in ein komplexes System von Zeichen einzulagern (sowohl auf semantischer wie semiotischer Ebene), welches die doppelte Strategie verfolgt, Gewalt zugleich zu verschweigen und doch zu artikulieren. Diese von Stifter gepflegte indirekte Form der Gewaltdarstellung, die mehr mit Andeutungen, Gesten und Stimmungen denn mit offenen Schilderungen von Gewalt operiert und oftmals im Verbund mit autoritären Führungsstrategien auftritt, wird im Projekt als sanfte Gewalt bezeichnet.

Für die Untersuchung sind ferner auch folgende Fragen relevant: Welche Führungskonzeptionen und Führerfiguren (Staatsmänner, Propheten, Lehrer) lassen sich im Allgemeinen in Stifters Prosa finden? Welche (Macht-)Techniken und Strategien der Subjektführung werden verhandelt? Wie werden diese Führungskonzepte von den literarischen Texten, aber auch Stifter selbst bewertet? Die gewählte Methodik erlaubt es – gerade durch die diskursgeschichtliche Verortung und Analyse der in Stifters Werk und Denken zu beobachtenden Führungsmodelle –, Stifter als politischen Autor zu perspektivieren.

benjamin.dinkel@clutterunibas.ch

Benjamin Dinkels Profilseite

Projektseite

L’imagination littéraire et l’expansion impériale. Anthropologue polonaise Maria Czaplicka et l’ethnographie littéraire russe dans la deuxième moitié du XIXème siècle.
Slavistik

Dans l’optique contemporaine de la recherche sur le XIXème siècle russe se trouvent la question des idéologies du nationalisme et du colonialisme, ainsi que les représentations des « autres » (ethniques ou sociales) et leur rapport aux formes et instituions littéraires du « grande siècle russe ». Mais l’aspect important demeure très peu exploré : celui du rôle des populations indigènes des espaces colonisées (les inorodtsy) dans la production littéraire de l’époque de réalisme dit « ethnographique ».

Ce projet de thèse est consacré à la question du réalisme dans la littérature dite « ethnographique » de la deuxième moitié du XIXème siècle. Nous allons particulièrement étudier la production textuelle de l’anthropologue polonaise Maria Czaplicka et comment et pourquoi ces textes ont été perçus par l’ethnographie « officielle » en Russie impériale.

Maria Czaplicka était une Polonaise russisante et citoyenne de l’Empire russe. Elle a fait une carrière académique sans précédent pour une femme et a été financée par les institutions britanniques pour sa recherche et la rédaction de son ouvrage sur les « Aborigènes de Sibérie ». Pour cette raison, elle n’était pas contrainte de respecter les règles tacites des institutions de l’Etat russe, mais travaillait dans le paradigme post-évolutionniste de l’anthropologue anglais Marret.

Les écrivains russes des années 1870-1890 travaillant dans le cadre du « réalisme ethnographique » ont pris leur place dans la littérature dite de « deuxième ordre » : La qualité de leur production littéraire (dont K. Nossilov, par exemple) a souffert de la poétique du romantisme qui entrait en contradiction avec la tendance du moment obligeant à une écriture « réaliste ». Ils sont passés à côté du problème majeur que la « grande » littérature pouvait traiter : création de la carte mentale de l’Empire où les indigènes sont vus et pensés comme des protagonistes (et non comme simplement « objets » du récit littéraire).

Paradoxalement, si la « grande littérature » russe (à quelques exceptions dont « Hadji Mourat » de Léon Tolstoï)  est passée plus au moins à côté de ce projet, c’est l’ethnographie qui l’a partiellement réalisé – avec les écrits ethnographiques subventionnés par l’Etat, avec les textes des médecins en missions, avec les exilés politiques devenus ethnographes et écrivains, avec les chercheurs et les universitaires qui se sont chargés de contribuer à la « nouvelle science marquée par la nationalité ». Dans ce contexte les écrits de Maria Czaplicka demeurent uniques et vont à l’encontre de la production littéraire en Russie impériale.

galina.durinova@clutterunibas.ch 

Zustände des Rechts. Umstände der Rhetorik. Eine Literaturgeschichte der Feststellungsform
Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Das Dissertationsprojekt untersucht die Wirksamkeit der rhetorischen Feststellungsform in der Literatur neben anderen Zeitenlogiken wie Latenz und Transformation als Effekt der Sattelzeit. Kosellecks Bild aufnehmend, dass die Sattelzeit den Reflex früherer – antiker, mittelalterlicher, frühneuzeitlicher – Zeitschichten zumindest vermeintlich mit zukunftsorientierten Projektierungen engführt, wird ein Momentum des später nicht mehr erreichten Bewusstseins zeitlicher Verbindungen postuliert, in der die modernen literarischen Gattungen eine intelligente Prägung erfahren, die heute ohne Vermittlungsleistungen eine einseitige Rezeption erfahren.

So kann e.g. am Beispiel der Kriminalgeschichte nachverfolgt werden, wie die auf die moralischen Triebfedern bedachte Ermittlung, wie sie etwa Friedrich Schiller 1792 in der Vorrede zum deutschen Pitaval fordert, mit überlieferten, rhetorischen Strategien der Sachverhaltsdarstellung oder Geschichtserzählung, den sog. species facti, zusammenfällt. Zieht man dagegen den zweiten Teil von Jule Vernes 1881 erschienener Jangada zum Vergleich heran, sind zwar die nämlichen Begründungszusammenhänge (nach Hübner 2013) zur Darstellung aufgeboten, nunmehr aber in eins gefallen und zum Genre avanciert, das nicht mehr bereit ist, freiwillig Auskunft über seine argumentative Komposition zu geben.

Auch bei Wieland und Kleist begegnet uns eine bewusste Handhabung sowohl der Statuslehre als auch der Topik, insbesondere im Hinblick auf eine Literatur des Rechts. Es entspricht dem Forschungskalkül meines Dissertationsprojektes, literarische Texte über die officia-Rhetorik prominent als Kunstwerke der Argumentation und deren Zwänge zu lesen.

Noch heute ist die rhetorische Begründungsform in den Gattungskonventionen der modernen Kriminalerzählung eingelassen, wird aber nicht erinnert. Für diese globalere These möchte meine Untersuchung die notwendigen Vorarbeiten in einem nahezu unbeforschten Feld der Literaturgeschichte leisten.

nicolas.fink@clutterunibas.ch

Estética y compromiso de César Falcón
Iberoromanistik

César Falcón ist zwar nicht so bekannt wie die Peruaner Vallejo und Mariategui, spielt aber eine wichtige Rolle in der gesellschaftskritischen Literatur Perús. Seine Vielseitigkeit – Leben in Südamerika, Europa und den USA, Arbeit als Journalist, literarische Publikationen, politisches Engagement gegen den Faschismus, sozialer und ästhetischer Anspruch – machen die Beschäftigung mit seiner Person und seinem Werk spannend. Falcón ist verankert in den verschiedenen literarischen Strömungen der nationalen und internationalen Avantgarde, wie sie in der peruanischen Zeitschrift Amauta abgebildet sind.

Folgenden Kernfragen gehe ich in meiner Arbeit nach:

  • Erfüllt Falcón den Anspruch des literarischen Realismus, der davon ausgeht, dass Erzählkunst die nachgebildete Darstellung der Realität ist?
  • Wie ist dieser Realismus in Falcóns Werk geprägt: romantisch, regionalistisch, sozial? Zeigt er ein Perú der Kontraste?
  • Wie behandelt er das Thema der Indio?
  • In Spanien besteht der literaturgeschichtliche Begriff der «Generación del 27», auch bekannt unter Namen wie Generacón de la Dictatura oder Generación de las Vanguardistas. Es sind dies Dichter, Romanautoren, Essayisten und Erzähler, die sich für die Politisierung der Literatur entschieden haben. Kann Falcón dieser Gruppe zugeordnet werden?

Falcóns Biografie und Werk ist exemplarisch für das Spannungsfeld zwischen ihrem Heimatland und dem Exil, in dem zahlreiche südamerikanische Autoren lebten oder immer noch leben. Entweder pendeln sie emotional, physisch und literarisch zwischen zwei Welten oder haben für sich einen Entscheid getroffen, der auch ihr Werk prägt.

bony.flueckiger@clutterunibas.ch

Bodily Encounters: Nature and Embodiment in British Poetry (2000–2017)
Anglophone Literary and Cultural Studies

This dissertation project joins a vibrant conversation in contemporary literary studies about the challenging nature of nature poetry in the twenty-first century. Rooted in the beginnings of the industrialisation of the eighteenth century, the experienced alienation of humans from nature has recently reached a critical point. Due to an extensive exploitation and destruction of the environment, critical voices today call for alternative viewpoints of human–nature relations beyond anthropocentric visions. In the literary field, a growing popularity of the genre “New Nature Writing” testifies the need to rethink the relationship to nature. Yet, in doing so, authors face a dilemma: How can an appropriate language beyond idealising illusions or human projections of nature in times of an environmental crisis look like?

My dissertation project seeks to explore British poetry by Alice Oswald, Sinéad Morrissey, Kathleen Jamie and Ruth Padel from the year 2000 onwards. It investigates how these texts re-establish the connections between humankind and nature in order to find a language for the concept of nature in the Anthropocene. On the basis of theoretical considerations from “Ecofeminism”, “New Materialism” and phenomenology, the project focuses on the poetic moments of encounter between human and non-human bodies as an experience of common corporality. Drawing on a new conception of materiality, the emphasis of human and non-human corporeality offers poets an access to nature. The framework of ecofeminist-materialistic body politics subjects the selected texts to a reading in which the human-nature-continuum comes to the fore and scrutinises human conceptions of nature as ‘the Other’.

As a result, the project also examines to what extent a materialistic approach closes the gap between language and nature in order to find out how contemporary poetry can write about nature in times of environmental crisis.

michaela.frey@clutterunibas.ch 

Die Typologien der Geschichte – eine neue Poetik des historischen Romans
Deutsche Literaturwissenschaft

Das Dissertationsprojekt versucht, über den Begriff der Typologie eine neue Poetik des historischen Romans zu formulieren. Haben bisherige Zugänge in der Forschung vor allem Narrationstheorien für die Beschreibung des Genres bemüht, wird hier ein Konzept verwendet, das ursprünglich aus der Bibelexegese stammt. Im Zentrum steht dabei zunächst die Beobachtung, dass sich ein klares Muster der historischen Imagination feststellen lässt: Die Verschränkung von dargestellter Vergangenheit und jeweiliger Gegenwart der poetischen Texte wird im Modus von Verheissung (Typus) von Erfüllung (Antitypus) gedacht. Erfährt also bspw. die Reformation ihre Vollendung in der Französischen Revolution? Oder erscheint der Dreissigjährige Krieg als Typus des Ersten Weltkriegs? Die so (auch implizit) formulierten Parallelen sowie Analogien von historischen Epochen, die sich als steigernde Wiederholungen ausnehmen, sind als gattungskonstitutives Merkmal der Gattung in den Fokus zu rücken.

Den jeweiligen Typologiebildungen ist anhand exemplarischer Interpretationen verschiedener historischer Romane nachzugehen. Ein Schwerpunkt des Projekts liegt dabei auf der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Arnim, Tieck, Alexis), als der historische Roman zu einer dominierenden Gattung aufgestiegen ist. Es werden aber noch weitere Texte (z.B. von Scheffel oder Döblin) in den Blick genommen, betrifft die These doch die Gattung im Allgemeinen. Methodisch stellt sich darüber hinaus die Frage, in welchem Verhältnis die Typologie zur Narration platziert werden muss und wie sie weiterentwickelt werden kann, damit sie als poetologische Kategorie auf Texte anwendbar ist, die eigentlich überhaupt nicht in ihren Geltungsbereich fallen. Dafür ist auf Konzepte von Erich Auerbach, Walter Benjamin und Aby Warburg zurückzugreifen, die sich alle intensiv mit dem Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart sowie der Möglichkeit der Aktualisierung von bestimmten Traditionsbeständen auseinandergesetzt haben, was sich für die Denkfigur der Typologie als äusserst fruchtbar erweist.

emmanuel.heman@clutterunibas.ch

 

Quadraturen des Staunens in der Philosophie der Zwischenkriegszeit (Wittgenstein, Heidegger, Bloch)
Deutsche Literaturwissenschaft

Im Kontext »zusammengebrochener Codes« (Gumbrecht) und den davon abgeleiteten Krisentopiken in der Zwischenkriegszeit, rückt im deutschsprachigen Raum thematisch ein traditionsmächtiges Phänomen wiederholt in den ideengeschichtlichen Horizont der Aufmerksamkeit: Das Staunen. Sich auf das Staunen und die das Wortfeld umgebenden Begriffe zu beziehen, besitzt nicht nur im alltagssprachlich-publizistischen Gebrauch Hochkonjunktur. Es sind gerade die sog. »Diskursivitätsbegründer« (Foucault) verschiedenster philosophischer Denkrichtungen, welche das Phänomen implizit und explizit reartikulieren. Ausgehend von dieser Beobachtung soll im auszuarbeitenden Projekt der philosophische Diskurs des Staunens im benannten historischen Zeitraum systematisierend untersucht und diskursgeschichtlich kontextualisiert werden. Es steht die Frage im Raum, warum das Staunen gerade in diesem historischen Dispositiv eine solche semantische Inanspruchnahme und Performanz besitzt. Ist das Staunen gar als Such- und Denkbewegung hinsichtlich der vielfach konstatierten Krisennarrative zu lesen?

Hierbei soll auf einer fundierenden Ebene (1) zunächst eine detaillierte Darstellung der spezifischen Staunenskonzeptionen erfolgen, die dann in einem zweiten Schritt im jeweiligen philosophischen Kontext der zu thematisierenden Autoren verortet werden soll. Hier gilt es zu bestimmen, wie sich die jeweiligen philosophischen Gehalte in die entsprechenden Denkgebäude einschreiben.

Ferner sollen (2) die spezifischen Textkorpora durch einen rhetorischen Zugang in eine analytische und weitreichende rhetorische Tradition des Staunens gestellt werden. Die Vermutung lautet hierbei, dass gerade auf der Ebene der Sprache ein Bruch mit vergangenen theoriegebundenen Artikulationsformen (Sprachkritik) stattfindet bzw. dass mittels sprachlicher Absetzungen und Prozessen der Deautomatisierung das Staunen allein auf rhetorischer Ebene reflektiert werden kann und daher Theorie und Rhetorik des Staunens in einer Wechselwirksamkeit zu denken sind. Die thematisierten Philosophen sollen hier als Literaten gelesen werden. Wie sind die jeweiligen Texte gemacht?

Weiterhin sollen (3) die dargelegten Theoreme des Staunens auf ihre geschichtliche Implementierung in der Zwischenkriegszeit hin befragt werden. Meine Hypothese ist hier, dass die formulierten Staunenskonzeptionen in politischer Hinsicht anschlussfähig sind.

Ferner wird (4) vermutet, dass das Phänomen des Staunens und das damit verbundene semantische Netz auch im Hinblick auf Selbstinszenierungspraktiken der Autoren zu funktionalisieren sind und sich insofern teilweise auch eine Thematisierung unter Gesichtspunkten der »Aufmerksamkeitsökonomie« (Franck) anbietet. Die Frage nach dem Zusammenhang des Staunens und der personae soll hier gestellt werden.

Tim Hofmanns Profilseite

tim.hofmann@unibas.ch

http://staunenprojekt.com (Projektseite)

Thauma(u)topoiesis
Allgemeine Literaturwissenschaft

Unter Heranziehung von Paul Ricœurs Hermeneutik der ‚narrativen Identität‘ wird der Roman des 18. Jahrhunderts als kulturpoetischer Probierstein eines historisch neuartigen und sich vor dem Hintergrund des Epochenbruchs der Neuzeit auf verschärfte Weise stellenden Anspruchs an Individualität verstanden werden. Als fiktionaler Erfahrungsraum narrativer Identitätsbildung vermag der Roman – so die theoretische Prämisse – einzig in Erscheinung treten, insofern ‚diskordante‘ Momente Dynamiken narrativer Refigurationen in Gang setzen, die die Romanform ihrerseits zum Medium eines genuin narrativen Sinnverstehens und einer ethischen Selbst-Auslegung werden lassen. Während der poetologische Diskurs über die Gattung Roman im 18. Jahrhundert das Wunderbare vermittels verschiedener Argumentationslinien als negativen Grenzwert der sich neu konstituierenden Gattung heranzieht, bildet es in den untersuchten Romanen Wielands, Tiecks und Goethes die unverzichtbare Quelle narrativer Diskordanzen: Die kausale Ereignisverkettung wird erst dadurch zur eigentlichen Darstellung von ‚Handlung‘, indem die latenten Sinnpotentiale des Wunderbaren den analytischen Rahmen der Erzählung überschreiten.

Anhand von in den Roman eingeschalteten ‚thaumaturgischen Erzählungen‘ wird die Inszenierung von derart – in Bezug auf die poetologischen Maximen des extradiegetischen Rahmens – ‚transgressiven‘ Erzählakten untersucht. Durch die applikative Auslegung der thaumaturgischen Erzählungen auf der Ebene der Romanhandlung wird diese verwunderungsvollen Refigurationen unterzogen und damit zum Modell einer narrativen Aneignung von Welt sowie von sinnträchtigen Handlungsvarianten in ihr. Auf diese Weise führen die behandelten Romane vor, wie sich der mehr und mehr humanwissenschaftlich fixierte ‚Charakter‘ unter Zuhilfenahme des Wunderbaren überhaupt erst auf eine ‚Figur‘ hin zu entwerfen vermag, die den Sinn der Erzählung zugleich verbürgt und riskiert. In ihrer Bedeutsamkeit und ihren Implikationen für Prozesse narrativer Autopoiesis des Selbst und für eine narrative Ethik der Selbst-Auslegung im Rahmen des Romans sind die Semantiken und das konzeptuelle Wissen, das das 18. Jahrhundert über das Wunderbare ausgebildet hat, bisher nicht erschlossen worden.

Profil

http://staunenprojekt.com/micha-huff/

micha.huff@clutterunibas.ch

Digressio – Ein umwegiger Pfad zur Prosa
Deutsche Literaturwissenschaft

Das Promotionsprojekt versucht, durch eine Rekonstruktion verschiedener Digressionskonzepte Fragestellungen auszudifferenzieren, welche im Horizont eines spekulativen Begriffs der Prosa virulent werden. Ein problemorientierter Durchgang durch die Ideen- und Begriffsgeschichte der digressio und intensive Lektüren von radikal exkurshaften Texten stellen eine ‘Theorie der Digression’ in den Fluchtpunkt der Reflexion, welche digressio im Unterschied zu narratio als ein eigenständiges Textprinzip postuliert. Ein Legitimationsversuch dieser Eigenständigkeit wird durch die Koppelung der digressiven Textorganisation mit Begriff des Raumes begangen: Digressive Strukturen, so die These, lösen den Text aus dem linearen Paradigma des narrativen Fortschreitens – Prosa expandiert zum Textraum.

http://theorie-der-prosa.ch/

achim.imboden@clutterunibas.ch

Erzählung und Landschaft – Landschaftsnarrativierungen in der Vatnshyrna und Pseudo-Vatnshyrna
Skandinavistik

In der mittelalterlichen isländischen Literatur können wir heute die Werdung einer Kulturlandschaft nachvollziehen. In Sammelhandschriften, die zumeist im 13. und 14. Jahrhundert entstanden sind, wird unter anderem vom Prozess der Erschließung der bis ins 9. Jahrhundert unbesiedelten Insel erzählt. Darin erfahren wir etwas über die Erkundung von Seerouten und Landwegen, die Benennung von Orten als Orientierungs-punkte in einer noch unbekannten Landschaft und die allmählige Historisierung einer bewohnten Kulturlandschaft. Mich interessiert vor allem, wie und zu welchem Zweck Landschafts-, Weg- und Wetterbeschreibungen sowie Benennungen von Orten Eingang in den Sagatext gefunden haben und wie auf diese Weise aus der Landschaft selbst eine kulturelle Größe mit bedeutungskonstituierender Wirkung für die isländische Gesellschaft geworden ist. Dabei untersuche ich zum einen, welche Formen der Orientierung und Landschaftswahrnehmung sich aus dem Text erschließen lassen. Zum anderen frage ich, was uns die Prozesse der Narrativierung über den kulturellen Wert von Landschaftswissen verraten und welchen gesellschaftlichen Zweck das Erinnern dieses Wissens erfüllt hat. Was kann uns der Umgang mit Landschaft im Text über den Kontext und den Überlieferungsanlass einzelner Sagas und Kompilationen sagen? Dafür untersuche ich die eng verwandten Sammelhandschriften Vatnshyrna und Pseudo-Vatnshyrna, die beide ca. 1390er entstanden sind. Die darin überlieferten neun Isländersagas und vier kürzeren Erzählungen behandeln alle in ihren Hauptsträngen Orte in Nord- und Westisland, so dass das in ihnen überlieferte Landschaftsbild intertextuell ausgewertet werden kann. Ich die Sammlung innertextuell, im Überlieferungsverbund und in Stichproben vergleichend mit anderen Überlieferungsträgern auf das in ihnen narrativierte Landschaftswissen. Anhand einer literarisch-anthropologischen Textanalyse, die auf einer präzisen Kenntnis der isländischen Landschaft aufbaut, möchte ich die aktuelle Sagaforschung um eine Perspektive erweitern, die es ermöglicht, den Erfahrungshorizont des ehemals intendierten Publikums in die heutige Analyse einzubeziehen und so den Überlieferungskontext altisländischer Literatur besser zu verstehen.

Das Projekt wird durch die FAG Basel unterstützt.

Nora.Kauffeldt@clutterunibas.ch

Assimilation, Hybridität, Widerstand: «Afrikanität» und Imaginationen transkultureller Begegnungen in deutscher und afrikanischer Literatur des 20. Jahrhunderts
Deutsche Literaturwissenschaft

Das Promotionsprojekt beschäftigt sich mit der Herausarbeitung von Identitätskonzepten wie der «Afrikanität» innerhalb von transkulturellen Begegnungen deutsch-afrikanischer Literatur. Die Hybridität der Begegnungen soll dabei vor allem auf ihr subversives Potential hin untersucht und die Mechanismen des Austausches durch die von Edward Said eingeführte kontrapunktische Lektüre ermittelt werden.

Einbezogen werden afrikanische (Michel Tété Kpomassie, Giselher Hoffmann) und deutsche Autor*innen (Gunther Geltinger, Thomas von Steinaecker, Christian Kracht), daher ist die Begegnung in einem doppelten Sinne zu verstehen: Einerseits als poetologisches und narratives Muster in der Literatur und anderseits ein hypertextuelles, schriftbildendes Pendel und dritter Raum zwischen Europa und Afrika. Zu untersuchende Begegnungsstätten sind intertextuelle Begegnungen durch das Rezipieren von Büchern, auf dem Dorfplatz (klassische first-contact-scenes), auf der Reise und im Nachtleben. Die Texte werden in Form von sogenannten «Vignetten» in ihrem Potential als soziale Situationen präsentiert.

Begegnungen in Form von first-contact-scenes sind nicht nur aus einem historisch-ethnologischen Blickwinkel her interessant. Das problematische Verhältnis von «sprechen mit» und «sprechen über» durchzieht die sich mit Afrikanität befassenden Textbeispiele. Transkulturelle Begegnungen sind ohne einen gemeinsamen Sprach- oder Kommunikationspool nicht möglich – oftmals konstruiert Literatur jedoch auch Begegnungen, in welchen die Art der Sprechakte auf ein hegemoniales Ungleichgewicht hindeuten. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn den Kolonisierten fiktive und bis hin zur Absurdität reichende Sprache in den Mund gelegt werden oder sie, wie von Gaystri Ch. Spivak festgestellt, nur mundtot Eingang in den Text finden.

Das Korpus besteht aus verschiedenen Textgattungen (Romane, Autobiographien, Ethnographien) aus dem 20. Jahrhundert

anna.karsko@clutterunibas.ch

Paradoxer Umgang mit dem erotischen Begehren im Werk von Michel Houellebecq und Woody Allen
Allgemeine Literaturwissenschaften

Das Dissertationsprojekt hat zum Ziel, anhand des literarischen Werkes von zwei Autoren, Michel Houellebecq und Woody Allen die paradoxen Kulturtechniken des Umgangs mit dem erotischen Begehren zu untersuchen. 

Es geht von der Hypothese aus, dass sozialer und individueller Umgang mit dem Begehren über ein vielseitiges Geflecht von Verboten, Dogmen und Normen reguliert und kontrolliert wird. Diese Verbote, Dogmen und Normen können je nach politischem System, Zeit und Religion sehr verschieden sein. Es wird vorausgesetzt, dass sie auf tief verankerten kulturellen Konditionierungen ruhen, die diskursiv, interpassiv und performativ (durch Verhalten und körperliche Praktiken) hergestellt und vermittelt werden. Laut der These kann die Besonderheit des Umgangs mit dem erotischen Begehrens im literarischen Werk von Houellebecq und Allen gerade darin liegen, dass es sich den diskursiven, interpassiven und performativen Formen der Tabuisierung immer wieder entzieht, jedoch dadurch wieder neue Verbote, Normen und Ausgrenzungen auf sich zieht.

Forschungsdatenbank

Illya Kirzhners Profilseite

i.kirzhner@unibas.ch

Im Arbeitsmaterial. Signaturen und Formate des Dokumentarischen nach 1900
Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Wie lässt sich ein Arbeitsprozess in seiner materiellen Form aufzeichnen und dokumentieren? Welche Lesbarkeiten und Deutungen entstehen entlang solch dokumentierter Arbeitsmaterialien? Und welche Poetik des Dokumentarischen entwickelt sich im Arbeitsmaterial? Diese Fragen bilden den Ausgangspunkt des Projekts, welches Praktiken des Dokumentarischen im Kontext des modernen Arbeitsdiskurses nach 1900 verortet und die daraus resultierenden Wechselwirkungen ästhetischer und epistemischer Darstellungsverfahren verfolgt.

Schematisch wurde die Literatur in der Moderne oftmals als das Andere der Arbeitswelt situiert: Autonomie, künstlerische Schöpfung, Genialität und Freiheit der Imagination markieren eine ästhetische Eigenlogik, die sich nicht mit einem Konzept von Arbeit beschreiben lässt. Entgegen dieser Schematisierung zeigen sich gerade um 1900 Übertragungsmomente zwischen Arbeit und Ästhetik, welche die Differenz zwischen künstlerischem Machen und ökonomischem Arbeiten neu ausloten. Walter Benjamin hat dies als Emergenz des "Autors als Produzent" beschrieben und damit eine Konstellation greifbar werden lassen, in welcher die Arbeitstechniken des Literarischen als Schnittstelle von Ästhetik und Politik, von Kunst und Gesellschaft, neu in Erscheinung treten. Es entstehen Verbindungen und diverse Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichem Arbeiten und Schreiben. Im Zeitraum nach 1900 betten sich diese Produktionsfragen des Literarischen in eine Konstellation ein, in welcher Arbeit nicht nur als Antriebsmotor von ökonomischen und technischen Entwicklungen, von Fortschritten und politischen Konflikten gilt, sondern in den Diskursen der sich entwickelnden Soziologie, in den Arbeitswissenschaften und der Psychotechnik als epistemischer Gegenstand zu Darstellungs- und Deutungsproblemen führt. Es bildet sich ein Spektrum von Arbeitszeichen an denen sowohl die Literatur als auch die Wissenschaften mit ihrer Zeichenarbeit partizipieren und Signaturen von Arbeitszeichen prägen.

Ausgehend von diesen Diskursen werden unterschiedliche Formate des Dokumentarischen und ihre Poetiken rekonstruiert, welche das Verhältnis von künstlerischem und gesellschaftlichem Arbeiten neu organisieren. Bertolt Brecht hat mit seinen Modellbüchern eine eigene dokumentarische Textform genutzt, welche die Aufführung seiner Stücke durch Kommentierung, Fotografien und Skizzen erweitert und die Theaterarbeit ins Zentrum rückt. Peter Weiss hingegen nutzt das Notizbuch als Medium der Selbst-Dokumentation, in welcher er das Verhältnis von Arbeit und Kunst, aber auch von Künstler und Arbeiter aufgreift und im Umkreis der "Ästhetik des Widerstands" vertiefend ausgestaltet. Heiner Müllers Gesprächsaufzeichnungen prägen ein Format der mündlichen Debatte, welches im Zwiegespräch mit seinen Stücken und Gedichten diese dialogisch erweitert und die Akte des Sprechens und Schreibens in einer eigenständigen Textökonomie organisiert, die sich wiederholt in Arbeitsszenen wiederspiegelt.

Diese unterschiedlichen Praktiken des Modellierens, Notierens und Diskutierens registrieren, ordnen, deuten und formatieren Arbeitsmaterial. Sie setzen industrielle, handwerkliche und schreibende Arbeitsweisen in ein Verhältnis der materiellen Exposition, poetologischen Kommentierung und Auslegungen. Poetiken des Dokumentarischen erscheinen daher auch als Ort einer ästhetischen Wissensproduktion, durch welche Deutungsangebote und Lesbarkeiten eröffnet und präzisierend erweitert werden. Das Projekt fragt nach den poetischen, politischen und epistemischen Potenzialen solch dokumentarischer Formate, die sich im Arbeitsmaterial des eigenen Schreibens bewegen.

Lucas Knierzingers Profilseite

lucas.knierzinger@clutterunibas.ch

Handschriftliche Romane? Mediale und narrative Formationen der isländischen Sagaliteratur im 18. und 19. Jahrhundert
Skandinavistik

Das skandinavistische Dissertationsprojekt untersucht Formationen der isländischen Prosatradition im 18. und 19. Jahrhundert und verknüpft die moderne Literaturproduktion Islands mit ihrer Vormoderne im Kontext europäischer und aussereuropäischer Literaturen.

Im Zentrum des Dissertationsvorhabens stehen isländische Erzähltexte, in denen sich in Anlehnung an Michails Bachtins sprachphilosophischen Ansätzen eine „Romanhaftwerdung“ abzeichnet. Die Veränderungen in der Form der Darstellung, die sich in einem neuen Verständnis von Stimme, Folge und Fokalisierung im Erzähltext äussern, sollen mit materiellen und paratextuellen Beobachtungen in Beziehung gesetzt und untersucht werden: Die spätvormoderne, genuin isländische Prosaüberlieferung nimmt in den europäischen Literaturen eine Sonderstellung ein, da sie bis ins 19. Jahrhundert hinein beinahe ausschliesslich handschriftlich verfasst und überwiegend anonym in Sammelhandschriften tradiert ist. Welche Anteile das Materielle am Erzähltext selbst hat, soll mittels einer historisch-informierten „material narratology“ an Texten wie Sagan af Níels eldra og Níels yngra, Saga af Parmes Loðinbirni oder Sagan af Árna Yngra Ljúfling untersucht werden. Eine solche Lektüre erlaubt es, die Erzähltraditionen des 18. und 19. Jahrhundert nicht nur aus einer philosophischen und ökonomisch-historischen Perspektive zu lesen – wie dies unter Einfluss des Romanforschers Ian Watts vor allem geschehen ist. Sondern ermöglicht einerseits neue Zugänge zu den Erzähltexten, die jene narrative Verfahren in den Mittelpunkt rücken, die das „Romanhaftwerden“ insbesondere bestimmen, und berücksichtigt andererseits die Materialität und Paratextualität der isländischen Prosaüberlieferung.

m.knoepfle@clutterunibas.ch

Seydou Konate: Bestiaire et biotope végétal dans la littérature de jeunesse

Bestiaire et biotope végétal dans la littérature de jeunesse de Côte d’Ivoire
Französische Literaturwissenschaft

Destinée à un lectorat dont l’âge maximal est d’environ 15 ans (Paul Aron, Denis Saint-Jacques et Alain Viala, Le Dictionnaire du littéraire, Presses Universitaire de France–PUF, 2010, p.227–228), la littérature de jeunesse n’éclot sous forme imprimée dans un pays comme la Côte d’Ivoire que vers 1950 (Bernard Dadie, Gabriel Tiacoh). Dans les années 1980 le rythme de publication s’accélère, notamment sous la plume de femmes (Jeanne de Cavally, Véronique Tadjo, Murielle Diallo, Annick Assemien, Micheline Coulibaly) et cette tendance s’accentue après 2000. Les études universitaires sur la littérature de jeunesse en « Afrique » se développent pour leur part à partir des années 80 (Régina Traore 1979), mais bien que ce nouveau domaine d’études ait trouvé sa place dans les ouvrages de référence (O’Sullivan, 327–28), les textes destinés à la jeunesse africaine demeurent bien moins étudiés que les genres destinés aux adultes (Jean Foucault, 4). Ainsi, les deux seules études portant spécifiquement sur la littérature de jeunesse ivoirienne, anciennes, proposent soit un panorama général (Traore 1987), soit l’analyse d’un marché éditorial qui pesait encore en 2000 moins de 2% de la production locale (Sié Konate). Vingt ans plus tard, cette production demande donc à être revisitée et dans cette optique, accorder un intérêt particulier à la place qu’elle a donnée, des origines à nos jours, au bestiaire et à l’environnement végétal s’impose pour trois raisons principales. (1) Pour les 49% de la population ivoirienne habitant en zone rurale (Banque mondiale 2018), la nature et en particulier la forêt demeure un espace de vie. Il en résulte un rapport de proximité « réelle » à un tel milieu d’autant plus marqué qu’il recoupe des investissements rituels et sacrés modulés selon les ethnies et que ce milieu naturel se trouve simultanément au cœur des symboliques identitaires nationales, comme le montre, outre le nom même du pays (Côte d’Ivoire), la double référence du drapeau ivoirien à l’orange de la savane et au vert de la forêt. (2) Ces référents sont pourtant entrés en crise, pour des raisons à la fois sociales, économiques et environnementales : près de 80% de la forêt a disparu depuis 1960 et après la crise politique de 2002 à 2011, sa protection a été reconnue comme une priorité gouvernementale (LE MONDE, 8 oct. 2019). En d’autres termes, la littérature de jeunesse ivoirienne a dû se développer en prenant en charge l’expression d’un rapport anthropologique et culturel à la faune et la flore distinct de l’expérienceproposée aux enfants occidentaux, mais aussi relever le défi d’une crise accentuée du monde naturel. (3) Or un tel corpus n’occupe encore qu’une place très marginale dans le type de textes étudiés par les courants théoriques qui, depuis une trentaine d’années, s’attachent à repenser les liens entre littérature et nature (Collot, Garrard, Simon, Wesphal).

Mon projet de thèse, propose donc d’aborder sous un angle innovant, la manière dont les auteurs traitent le bestiaire et l’environnement végétal. (1) L’analyse interne des textes sera associée à une interrogation sur les relations qu’ils établissent entre ces motifs et une identité culturelle ivoirienne potentiellement multiple. (2) Les œuvres seront aussi abordées en exploitant les perspectives critiques récentes portant sur les liens entre littérature et vivant, approches qu’il s’agira toutefois de mettre simultanément à l’épreuve d’un tel corpus, puisque, paradoxalement, les acteurs de l’écocritique, de la zoopoétique, etc., se sont peu confrontés à ce type d’ouvrages – productions pourtant issues d’un territoire clairement identifié par la communauté scientifique comme une des zones cruciales pour la biodiversité, et ensemble de textes adressés aux plus jeunes (alors même que l’idée du caractère à venir des principaux défis environnementaux domine les débats). Ce projet a donc une double ambition : doter la communauté scientifique d’un discours expert interrogeant l’articulation science-littérature, nature-homme, homme-environnement dans une littérature de jeunesse sub-saharienne de langue française, et défendre la pertinence de la prise en compte d’un tel corpus, « local », dans la réflexion « globale» sur ces questions.

seydou.konate@clutterunibas.ch

Seydou Konates Profilseite

Time and Place in Contemporary Literature of the U.S. South
Anglophone Literatur- und Kulturwissenschaft

Abstract folgt.

corin.kraft@clutterunibas.ch

Übersetzung und Kulturtransfer im hochmittelalterlichen Skandinavien am Beispiel des Pamphilus
Skandinavistik

Ziel des Dissertationsprojektes ist es, die Entstehung der Handschrift De La Gardie 4–7 (ca. 1270 Bergen; jetzt in Uppsala Universitätsbibliothek) in einen breiteren Kontext kulturellen und intellektuellen Austausches einzubetten. Bei der Handschrift handelt es sich um einen ausgesprochen ertragreichen Forschungsgegenstand, da sie übersetzte Werke verschiedenster Genres enthält. Die Dissertation wird sich auf die Pamphilus saga konzentrieren, welche aus dem Mittellateinischen in das Altnordische übersetzt wurde.

Die Übersetzungspraxis selbst wird vor dem theoretischen Hintergrund der Polysystem Theorie untersucht. Hierbei spielen textuelle und intertextuelle Netzwerke eine bedeutende Rolle. Der Kontext der Übersetzung innerhalb der altnordischen Literatur vor ca. 1300 wird mithilfe einer Analyse der Lexik der Pamphilus saga herausgearbeitet. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Verwendung spezifischer Lexeme in anderen Texten vor ca. 1300.

Die Ergebnisse dieser Analyse werden in ein größeres Netzwerk kulturellen und intellektuellen Austausches eingebettet, welches anhand personeller, institutioneller und anderer Verbindungen rekonstruiert wird. Die Wechselbeziehung zwischen Übersetzung und den Dynamiken kultureller Netzwerke ist in der Polysystem Theorie bereits angelegt und soll im Laufe der Studie stärker sichtbar gemacht werden.

Die Analyse und Bewältigung des Datenmaterials ist durch den Einsatz verschiedener technologischer Lösungen möglich. Eingesetzt werden bspw. Graphendatenbanken und Software zur Netzwerkanalyse. Der Großteil des Korpus ist bereits in digitaler Form verfügbar, muss jedoch durch selbst in Python entwickelte Software aufbereitet werden. Das Projekt und die Forschungsdaten sind mit dem Ziel der langfristigen Nutzbarkeit konzipiert. Zu diesem Zweck ist eine experimentelle Anpassung der CIDOC-CRM Ontologie zur Verwendung im Bereich der altnordischen Philologie Teil des Projekts.

sven.kraus@clutterunibas.ch

Vénus malade : Représentations de la vérole et des vérolés dans les discours littéraires et médicaux en France (1495–1630)
Französische Literaturwissenschaft

Alors que le XVe siècle touche à sa fin et que Christophe Colomb découvre le Nouveau Monde, l’Europe fait l’expérience douloureuse d’une maladie apparemment nouvelle : la vérole. La violence inédite d’une telle épidémie met le monde médical en crise tant les autorités antiques habituelles (Hippocrate et Galien, essentiellement) semblent inopérantes pour expliquer ce fléau insolite, dont l’étiologie ne cesse d’être récrite et repensée par les médecins. Ce nouveau défi médical n’est pas exempt de conséquences dans le champ littéraire, où les textes présentant des vérolés ou abordant la virulence de cette maladie honteuse pullulent. La vérole apparaît dès lors comme un objet complexe : fait biologique, elle se change également en objet symbolique ou métaphorique sous la plume des écrivains. Aussi l’objectif de cette thèse, fondée sur une confrontation entre les textes littéraires et les traités médicaux, est-il de montrer à quel point la contagion réelle de la maladie se double d’une contagion livresque. La porosité entre littérature et médecine est grande lorsque les hommes de lettres et les hommes de science représentent une maladie qui fait naître un imaginaire particulièrement fécond où jamais auparavant Éros et Thanatos n’ont été aussi liés.

Centré sur la figure de Vénus, dont l’ambiguïté occupe les réflexions de plusieurs humanistes redécouvrant et commentant les œuvres antiques comme celles de Platon, ce travail étudie également les représentations de la vérole selon le genre et le type de textes à l’intérieur desquels elles s’inscrivent. La violence et la pluralité des symptômes d’une maladie aux contours instables semblent, de fait, offrir aux auteurs du XVIe siècle et du début du XVIIe siècle tels que Marot, Rabelais, Paré ou Théophile de Viau, la possibilité d’une grande variété dans les représentations de cette épidémie, selon les contextes d’écriture et les publics visés : outil polémique, instrument idéologique, ressort comique ou supplice pathétique, la vérole est tout cela à la fois.

Jérôme Laubners Profilseite

jerome.laubner@clutterunibas.ch 

Les rencontres entre humain et animal dans la littérature française du XVIe siècle

Französische Literaturwissenschaft

Avec l’élargissement des frontières géographiques, le savoir et les représentations que la Renaissance porte sur les hommes et les animaux doivent être réaménagés afin d’intégrer à chacun de ces deux groupes des êtres jusqu’alors inconnus. Cette mise en contact nous est d’abord transmise par les récits de voyages ou les entreprises de recension zoologique, mais c’est presque toute la littérature du XVIe siècle, et notamment la narration fictionnelle, qui relaie ces co-présences humaines et animales puisque, en pleine période de crise religieuse et politique, culturelle et intellectuelle, et alors que la domination du latin se voit ébranlée par les langues vernaculaires, la littérature de langue française peut trouver dans le trope de la rencontre homme-animal un lieu propice à l’interrogation des procédures de construction des discours (religieux, moral, historique, symbolique, scientifique, etc.). En effet, dans l’interaction entre l’homme et l’animal sont en jeu deux entités dont les langages ne communiquent pas de façon transparente et dont les hiérarchies se révèlent troublées. Ce questionnement se retrouve aussi dans les rapports souvent banals entretenus au quotidien avec tous les animaux et définis de longue date par les textes antiques. Ce travail de recherche tend donc à préciser la complexité des relations entre les hommes et les animaux telles que la littérature du XVIe siècle les représente. 

augustin.lesage@clutterunibas.ch

Leben wiederverwerten. Prozesse produktiver Transformation in Robert Walsers ‚Kleiner Prosa‘ zwischen Biographismus, Biopolitik und Vitalismus
Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Robert Walser lebt und schreibt im Schatten des Ersten Weltkriegs unter dem Diktat knapper Ressourcen, im Sog der Massenmedien und im Zeichen der aufkommenden Ökologie. Es sind Bedingungen, welche die individuelle wie kollektive Existenz dem Imperativ des Wertes und der Verwertung aussetzen. Das Projekt möchte zeigen, wie Walser diese Kontexte in sein Schreiben aufnimmt und darin neue Formen und Kräfte des Lebens entwickelt, welche aus den reduktionistischen Bedingungen neue Möglichkeiten der Existenz schaffen. Dies geschieht, so die These, im Umschreiben von Texten, mittels ästhetischer Verfahren der Wiederverwertung, welche die inneren und äußeren Prozesse des Lebens, vom individuellen biologischen Körper über den praktischen Alltag bis zur politischen Regie, in die Prozesse des Schreibens selbst integrieren, die ihrerseits Leben als Stoff und Form ,neu‘ hervorbringen. Anhand von Walsers ‚Kleiner Prosa‘ der 1910er Jahre lässt sich konkret beobachten, wie das serielle Verfassen von Feuilletontexten und deren Wiederverwertung für eigenständige Sammlungen als (Über-)Lebenspraxis im politisch-sozialen, ökonomischen sowie wissenschaftlich-technischen Kontext, den die Zeitungen und Zeitschriften indizieren, funktioniert.

Das Projekt knüpft ausgehend von der Problematik des ,Leben-Schreibens‘ einerseits an den breiteren wissenschaftlichen Forschungsbereich zu Effizienzsteigerung (versus Leerlauf) und Regulation (versus Individuation) an. Andererseits fragt es praktisch-philosophisch nach dem Erkenntniswert der Literatur. Mit kulturwissenschaftlichem Blick gilt es, die in Walsers Texten und den Ko-Texten der Medien wirksamen zeitgenössischen Diskurse in ihrer Vernetzung zu beschreiben. Schließlich werden die Poetik der Einzeltexte im Prozess der Entstehung und Umschreibung sowie die Komposition der Sammlung(en) rhetorisch-textkritisch analysiert und poetologisch reflektiert. Im Spannungsfeld zwischen der Schreibbarkeit des Lebens und der Lebbarkeit des Schreibens sieht die Analyse folgende vier Schritte vor: 1. Zunächst gilt es, die Bedingungen einer Wiederverwertung des Lebens in den zeitgenössischen Diskursen der Tagespresse unter der Perspektive der Biopolitik und in den literarischen Diskursen der Zeitschriften unter der Perspektive des Biographismus zu verorten. Es wird zu zeigen sein, wie Walsers Beiträge in diesen Medien die Problematik der Verwertung in zugespitzter Form reflektieren und als Ausgangsmaterial eines Recyclingprozesses hin zur Buchpublikation dienen. 2. Unter dem Aspekt des Biographischen und mit dem Konzept der Autofiktion soll untersucht werden, wie das Umschreiben unter den Schreibbedingungen als vita activa für den Schreibenden ökonomische, politische und kulturelle Überlebens-Relevanz erlangen. Diese Bedingungen werden im Vorgang des Umschreibens zugleich reflektiert und zum Ausgangspunkt eines produktiven Prozesses gemacht, der das Leben als Erzähl- oder Schreibbares erst hervorbringt und das Schreiben zur Lebbarkeit gestaltet. Dabei muß dieses Leben-Schreiben unter den technologischen Bedingungen seines Veröffentlichungszusammenhangs in den Massenmedien, aber auch als reflektierte Wiederverwertung der biopolitischen Kontexte verstanden werden. 3. Anhand des Sammelbandes Kleine Prosa wird untersucht, wie diese Bedingungen konkret produktiv gemacht werden: Die Umarbeitungen werden auf der Grundlage des kriegsbedingten Recyclings und der vitalistischen Biologie als die Biopolitik verkehrende auktoriale Strategien verstanden; sie können bis in die rhetorisch-poetische Faktur der Texte hinein analysiert werden. 4. In einer abschliessenden theoretischen Reflexion sollen die Schreibverfahren Walsers in die zeitgenössische Ökologie und Kulturphilosophie eingebettet werden, um insbesondere mit der ‚symbolischen Form‘ der Kunst nach dem spezifisch ästhetischen Verfahren von Walsers Leben-Schreiben und dessen Ort im Dispositiv der Werte und Verwertungen zu fragen. 

Rebecca Lötschers Profilseite

r.loetscher@clutterunibas.ch 

Remapping the outmoded in rural England, 1870–1995
Anglophone Literatur- und Kulturwissenschaft

Drawing on the work of Walter Benjamin and his surrealist-inspired theory of the outmoded, this dissertation project re-reads rural England from 1870–1995 through the works of five authors – Thomas Hardy, Mary Butts, John Cowper Powys, Ithell Colquhoun and W.G. Sebald – whom I propose as central participants in a previously unrecognized tradition of rural modernity. The project examines how these writers stage encounters between outmoded forms (objects, figures, rituals) and modernity which create new spatio-temporal assemblages, refiguring the rural as a dialectical space where outmoded forms are recuperable in combatting capitalist encroachment upon rural landscapes. Utilizing a theoretical approach more usually applied to urban settings, the project asks how Benjamin’s urban-focussed conception of the outmoded may be read to incorporate the rural; and how the encounters between the outmoded and modernity staged by these authors provide a means of mobilizing the rural at the intersection of capitalism, globalization and rural traditions.

The project employs a methodology that investigates both the formal and narrative strategies deployed by these authors, as well as examining how literature is able to represent performance forms such as folk drama and ritual. Through this methodology, which I term literature as performance, the project aims to show not just how these texts utilize the outmoded as a narrative device, but also how the outmoded becomes a formal part of their expression, realizing Benjamin’s radical model of historicity as performance. In doing so, these writers forge new ways of framing the rural, not as a nostalgic pastoral retreat, but as a repository of history that is of equal importance in the formulation of modernity as the metropolitan city.

thomas.manson@clutterunibas.ch

Curiosité et cure de soi dans la pensée de Michel de Montaigne
Französische Literaturwissenschaft

Ce projet a pour vocation d’interroger sur un plan sémantique, axiologique, rhétorique, épistémologique et anthropologique, les équivoques et les tensions dont la notion polysémique de « curiosité » est porteuse à la fin du XVIe siècle, et concerne plus particulièrement le rôle complexe et bifrons qu’elle joue dans l’ensemble de la production montanienne, manuscrite, imprimée et hybridant souvent la main et le « moule » typographique. L’enquête portera donc aussi bien sur les ouvrages destinés à la publication, tels que les Essais (1580-88/95), que des textes réservés à une fin privée, comme les inscriptions sur les poutres de sa bibliothèque et le Journal de voyage (1580-1), où le Bordelais, dans son double rôle de touriste et de curiste, ne cesse de problématiser les articulations entre curiosité(s), soin et souci de soi.

Afin d’étudier les spécificités de l’approche montanienne de la « curiosité », notion dont l’ambiguïté n’a que trop souvent été escamotée par les critiques qui ont privilégié les définitions modernes aux sens historiques rattachés à l’étymon latin cura, l’analyse sera menée en termes de configurations inter- et intratextuelles dynamiques. Ainsi, la curiosité sera abordée

1/ comme mot, dans son rapport à une série de parasynonymes généralement partiels, parce que relatifs à des contextes discursifs particuliers ;

2/ comme concept qu’il s’agira d’envisager sur le fond des discours dominants avec lesquels Montaigne doit s’accommoder, tout en ne créant pas moins son propre lexique et sa propre sémantique par rapport au milieu intellectuel pétris de normes fixées par la doxa philosophique et patristique ;

3/ comme thème littéraire prisé depuis l’Antiquité, où la mythologie gréco-romaine et la culture chrétienne développent de nombreux lieux communs à son propos ; et, enfin,

4/ comme pratique et modalité concrète de la pensée et du discours de l’auteur. En vertu du rebond réflexif qui le caractérise, Montaigne est curieux d’objets « singuliers », « étranges », « divers », « difformes », et « monstrueux », comme il en est un lui-même, curieux de la curiosité comme topos littéraire, et curieux de sa propre curiosité, qui serait, avec l’étonnement et l’admiration, en tant que « passion cognitive » (L. Daston), condition de possibilité de la philosophie, mais aussi son plus intime danger dans un monde conçu comme une « branloire perenne » (III, 2). Il s’agira de penser la curiosité aussi bien à travers les objets spécifiques qui la suscitent ou qu’elle découvre, voire fabrique, qu’à travers les affects que ces objets mêmes suscitent, et de mettre à jour le lien entre la curiosité comme manière de voir le monde, art de vivre et mode d’écrire.

Méthodologiquement, ce travail s’inscrira à la croisée de l’histoire des émotions, de l’histoire littéraire et de l’histoire intellectuelle de la Première Modernité, époque où sont plus que jamais éprouvées les limites, mais aussi les possibilités de la connaissance humaine. En associant à l’analyse interne des textes une étude des dynamiques culturelles au sein desquelles ils participent à l’élaboration de nos représentations, le projet cherchera à articuler poétique et interdisciplinarité et comblera ainsi une lacune importante dans le domaine florissant des études montaignistes. Une piste particulièrement novatrice relève de l’hypothèse d’une solidarité fondamentale entre la curiosité et le genre de l’essai, qui se construit dans un rapport intime non plus seulement avec le scepticisme, mais encore avec l’écriture de soi.

r.martic@clutterunibas.ch

The Perception of Europe in Modern Hebrew Literature 1890–1938
Jewish Studies / Hebrew Literature

Judith Müller’s Ph.D. thesis on the perception of Europe in Hebrew literature from 1890 to 1938 examines prose texts by Micha Josef Berdichevsky, David Fogel, Gershon Shofman and Lea Goldberg. Those novellas and novels were written against the geo-cultural background of Central Europe and thus show a Europeanness that is directly connected to the link between centre and periphery as well as a constant cultural translation and transition. It is in this context of great interest to take a closer look at the triangle of the metropolises Berlin–Vienna–Paris. Each of these cities attracted one or several of the authors to be discussed and thus influenced their writing, their language and the content of the examined texts. These cities enabled authors and characters to leave the narrowness of tradition and decorum in the Shtetl. The crossing of multiple boundaries is a central condition in this process and allows the arrival in a new spatiotemporality. However, thereafter the paths became more and more individualized: for some the artistic free space is indeed a specific place, for others it is embodied in the temporality of their writing and the realms created hereby.

A crucial goal of the thesis is, moreover, to to show how figures of Europe in those texts point towards a debate on and cultural rooting in a general idea of Europe and its conception. The term Europe itself does almost never appear in the primary sources, thus the question is rather how Europe manifests itself in Hebrew literature as a representation of the credo maximum diversity in minimum space, as a constant exchange between its spatial centres and margins or as a permanent transition and cultural translation.

jud.mueller@clutterunibas.ch

Judith Müller's profile page

Homosexualität und Heteronationalismus in der zeitgenössischen russischen Literatur

Slavistik

Seit der Einführung des Gesetzes gegen die ‚Propaganda nichttraditioneller sexueller Beziehungen‘ im Jahr 2013 ist das Thema Homosexualität in Russland verstärkt ins Zentrum des öffentlichen Diskurses gerückt. Homosexualität wird dabei oft auf den Westen, insbesondere auf das sogenannte ‚Gejropa‘ projiziert, während Russland in Abgrenzung dazu als homogen heterosexuell imaginiert wird. Homosexualität bzw. deren Auslagerung auf ein westliches ‚Anderes‘ dient so der Konstruktion einer russischen nationalen Identität, deren Konzipierung sich seit der Auflösung der Sowjetunion zwar als unumgänglich, gleichzeitig aber auch als äusserst problematisch erwiesen hat.

Das Projekt untersucht die Reflexion dieses öffentlich-politischen ‚Heteronationalismus‘-Diskurses in der zeitgenössischen russischen Literatur, insbesondere in den Texten Vladimir Sorokins, Viktor Erofeevs und Viktor Pelevins. Chronologisch liegt der Fokus auf der zweiten Amtszeit Vladimir Putins (ab 2012), während der Homosexualität im öffentlichen Diskurs verstärkt zum Element eines anti-westlichen Veranderungsdiskurses wurde, sowie – zum Zweck des Vergleichs – auf den späten 1980er- bzw. frühen 1990er-Jahren.

Ziel des Projekts ist es, zum Verständnis der Rolle von Homosexualität und Homophobie in der zeitgenössischen russischen Kultur beizutragen. Vor allem aber soll es einen Beitrag zur Erforschung der Rolle von Sexualität bei der Konstruktion zeitgenössischer geopolitischer Vorstellungswelten leisten, die sich bisher weitgehend auf ‚homonationalistische‘ Narrative in westlichen Nationsdiskursen konzentriert hat.

Miriam Müllers Profilseite

m.c.mueller@clutterunibas.ch

Les humanités numériques au théâtre : poétique du couplet humoristique dans le vaudeville théâtral du XIXe.
Französische Literaturwissenschaft

Le vaudeville, genre populaire encore méprisé, constitue une réserve de vers d’une grande fécondité esthétique et humoristique qui demeure quasiment ignorée des critiques. Les vaudevilles étaient à l’origine des chansons versifiées à couplets que l’on chantait sur des airs connus appelés « timbres » ou encore « fredons ». Au cours du XVIIe siècle, des auteurs dramatiques ont incorporé ces chansons à la structure de leurs pièces en prose donnant à leurs productions le nom de « pièces mêlées de vaudeville ». Par la suite, le genre est devenu autonome et au XIXe siècle (du moins jusqu’en 1864, date du décret de libéralisation des théâtres) une pièce pour être qualifiée de vaudeville se devait d’avoir des couplets chantés.

Dans le cadre du projet PRIMA FNS, Le rire des vers, dirigé par la Dr. Anne-Sophie Bories, ma thèse se propose ainsi d’analyser l’histoire et la poétique du genre à succès du vaudeville théâtral en se focalisant sur son trait distinctif et original – le recours aux couplets – et en produisant un corpus jamais édité auparavant qui sera analysé par des méthodes stylométriques mais aussi statistiques en distant reading. S’ajouteront à ces méthodes computationnelles des analyses plus traditionnelles, en lecture de près, mêlant études de partitions, réflexions sur les relations entre littérature et histoire, et approches pragmatiques dans une logique proprement théâtrale. Il s’agira avant tout de faire émerger et de comprendre ce genre méconnu, d’en dessiner la poétique en élargissant par la même occasion l’histoire des formes versifiées, et sur un plan plus théorique, de poser le problème des rapports entre vers et humour dans le contexte de formes chantées sur une scène théâtrale.

lara.nugues@clutterunibas.ch

Samuel Beckett’s Media Art
Anglophone Literatur- und Kulturwissenschaft

Over the past decade critics have increasingly recognized Beckett’s significance as a media artist, but the contours of this designation have remained rather vague. Just how innovative and how radical was Samuel Beckett as a media artist? What scientific developments and technological blueprints inspired Beckett’s media aesthetic? And how urgently does its increasing technological obsoleteness call for a reassessment of this work that has nevertheless lost none of its power to fascinate scholars, to enthral audiences, and to influence new generations of media artists?

The project is driven by the conviction that the coexistence of Beckett's literary production, his output in radio and TV, and his experimentation with machine language, coding, and digitality is an essential characteristic of this work that shouldn’t be played down in favour of a compartmentalized analysis of these fields, but that cannot be narrativized into a logical sequence of formal experiments either. Insightful as they are, accounts that trace interart influences within the ‘oeuvre', the third approach dominating the critical discourse, have also left this particular question unanswered. A series of case studies will serve to test and nuance the hypothesis that Beckett’s work represents, among other things, a uniquely subtle artistic negotiation of three successive technological and cultural paradigms: literary culture and the humanist tradition, analogue media and the age of telecommunications, and cybernetics and digitality. The analyses will explore the array of aesthetic strategies, not least textual operations, that produce entanglements between these three different models of signification. With a special focus on the theatrical scripts, the project aims to reconceptualize the Beckettian ‘media play’, a term conventionally – and perhaps unreflectingly – reserved for the pieces Beckett wrote for radio, film, television, and video. Somewhat provocatively, then, the project addresses the problem of Beckett’s ‘media art’ in the singular, arguing that its generative tensions cannot be neatly mapped onto its radiophonic, filmic, televisual, literary, and theatrical instantiations. Drawing on genetic criticism (facilitated by the ongoing Beckett Digital Manuscript Project), production history, and the recently published letters, the project also looks at the interaction between this work and a changing media ecology, tracing, to give just one particularly intriguing example, Beckett's ingenuity in manipulating various media channels in order to control the reception of his work.

Balázs Rapcsák's profile page

balazs.rapcsak@clutterunibas.ch

Le soleil de la métaphysique dans la poésie française après Nietzsche, chez Guillaume Apollinaire, Paul Valéry et Francis Ponge
Französische Literaturwissenschaft

Symbole occidental de vérité, d’absolu, voire de divin, le soleil est à la fois aimé des philosophes et des poètes. En philosophie, Platon en fait une analogie fondatrice de la métaphysique dans La République, représentant le Bien, le Juste, le Vrai et le Beau. En poésie, l’évocation du soleil est si récurrente qu’elle en devient topique.

Néanmoins, la pensée de Nietzsche, qui se diffuse en France à partir des années 1890, vient mettre en péril l’astre tout-puissant. Proclamant la mort de Dieu, le philosophe annonce la fin de la métaphysique. Vidé de sa divinité et de sa suprématie par la philosophie, le motif du soleil encourt un risque de banalisation, autrement dit de démythification et de dépoétisation. Le soleil devient le point de jonction d’une double crise de la transcendance : crise philosophique (la métaphysique) et crise poétique (le lyrisme).

Ce travail s’interroge sur la portée de la mort de Dieu sur la représentation du soleil chez trois auteurs français : Guillaume Apollinaire, Paul Valéry et Francis Ponge.

camille.rodic@clutterunibas.ch

Les poésies de la voix en France (1752–1792)
Französische Literaturwissenschaft

La poésie mise en voix constitue un aspect essentiel de la culture poétique de la période dite des secondes Lumières. De la performance poétique à vocation didactique ou scolaire (vaudevilles à fonction pédagogique), au spectacle planifié et organisé des lectures d’un poète comme Delille à l’Académie ou dans les salons parisiens, la poésie orale fait l’objet à la fois d’une création collective spontanée (par exemple les chansons à valeur de commentaire politique, qui témoignent d’une participation active à la vie de la cité) ou orchestrée par les chantres du bon goût français, soucieux de préserver la politesse de la langue tout en érigeant la performance poétique comme divertissement social. Parole vive, la poésie orale s’associe volontiers à la musique et déploie un éventail de genres- canoniques (chanson, cantate, cantatille, ariette, romance) ou expérimentaux (scène lyrique, opéra en occitan, intermède musical, alternance de lectures et d’intermèdes musicaux). Étroitement corrélée à la sociabilité mondaine des salons, la poésie performative s’épanouit aussi à la cour, dans les petits théâtres de société, qui sont autant de terrains propices à la «métromanie» du siècle et où foisonnent les vers mis en voix.

Il s’agira alors d’étudier cette pratique essentielle de l’expression poétique telle qu’elle s’épanouit principalement dans la seconde moitié du XVIIIe siècle, d’un point de vue sociologique (à quoi correspondent les charges de «lecteurs» à la cour? Quelles sont les fonctions sociales de la performance poétique dans les salons? Quelles sont les mutations dont fait l’objet l’instance du «public» dans une période traversée par de profonds questionnements sur la distinction entre l’acteur ou le chanteur et son auditoire?), d’un point de vue philosophique et archéologique (comment cette pratique s’intègre-t-elle à un questionnement sur les origines de la poésie et du poème lyrique?) médical et physiologique (quelle est l’effet de la performance poétique sur le public à l’aune du discours médical sur la fibre sensible?), mais aussi poétique (quelle est la valeur poétique de la poésie mise en voix? Comment penser la hiérarchie entre le texte et l’actio, le texte et la musique? Une symbiose entre le compositeur, le poète et l’acteur/chanteur est-elle possible? Le poème peut-il intégrer dans son corps la dimension sonore indépendamment de sa mise en musique?), axiologique (la lecture des vers ou la performance musicale vient-elle servir le texte poétique? Peut-on penser la figure de l’acteur ou du chanteur comme un traducteur qui livrerait une herméneutique allégorique? Le risque n’est-il pas, au risque d’une performance qui magnétise, de perdre le poème au profit du prestidigitateur?).

cecilia.roumi@clutterunibas.ch

Formexperimente im Anthropozän
Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft

"Unzählige Tentakel werden notwendig sein, um die Geschichte des Chthuluzäns zu erzählen." (Donna J. Haraway)

Das Dissertationsvorhaben bewegt sich im Kontext aktueller Debatten um das Anthropozän, welches als Erdzeitalter des Menschen die vielfältigen Weisen beschreibt, auf die menschliche Lebens- und Wirtschaftsweisen in natürlichen Prozesse eingreifen und dabei irreduzible biologische, klimatische und biosphärische Veränderungen hervorrufen. Diese Diagnose weiterdenkend fordert ein kritischer Anthropozänbegriff dazu auf, gegenwärtige Mensch-Natur(-Technik)-Verhältnisse gerade auch in politischer, kultureller und ästhetischer Hinsicht zu analysieren und zu befragen.

Vor diesem Hintergrund untersuche ich in meinem Projekt literarische Experimente der Gegenwartsliteratur, die klassische Schreib- und Erzählweisen zugunsten neuer Darstellungsweisen verlassen, welche auf inhaltlicher und vor allem auf formaler Ebene dazu befähigen, anthropozentrische Narrative, Perspektiven und Deutungsmuster aufzubrechen, diese kritisch zu reflektieren und in einer produktiven Umwendung in alternative Darstellungs- und Erzählweisen zu überführen. Dabei konzentriere ich mich insbesondere auf Texte, die in signifikanter Weise Geflechtstrukturen aufweisen, also Strukturen, denen sowohl ein gewisses Mass an Hybridität als auch ein organisch-anarchisches Moment zukommt. Als theoretisch inspirierte Formmodelle solcher Geflechtstrukturen dienen mir beispielsweise das Rhizom von Gilles Deleuze und Félix Guattari sowie das Fadenspiel (string figure) von Donna J. Haraway aus ihrem 2016 erschienen Werk Staying with the Trouble.

In der Untersuchung der literarischen Texte und ihrem jeweiligen Gebrauch von Geflechtstrukturen geht es ferner um das Herausarbeiten und Analysieren unterschiedlich gestalteter Strategien und Verfahren, mit welchen heterogene Diskursarten und Wissensformen in Dialog gebracht und poetische mit dokumentarischen und wissenschaftlichen Schreibweisen verflochten werden, um so die mannigfaltigen Verwobenheiten im Anthropozän darstellbar und ihre ineinandergreifenden Strukturen erzählbar zu machen. Dadurch zielt mein Dissertationsprojekt bis zu einem gewissen Grad auch auf die Skizzierung möglicher Charakterisierungslinien einer kritischen Anthropozänliteratur ab, die der "Zeit einer artenübergreifenden Dringlichkeit" (Haraway) gerecht wird, für nichtanthropozentrische Differenzen sensibilisiert und dabei nichtzuletzt formalästhetisch und gattungspoetologisch neue Möglichkeiten literarischer Gestaltung erschliesst.

julia.rueegger@clutterunibas.ch 

Fantasy, Fiction, Faction, and Fascism. A Comparative Literary and Discursive Analysis of the Contemporary U.S. American and Russian Radical Right’s Narratives of Empire

Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft

This comparative thesis examines narratives of newly revived imperial greatness as expressed in radical right Russian and U.S. American speculative fiction. The annexation of the Crimea in 2014 and Putin’s populist and nationalist stance have encouraged the Russian ultraconservative right to openly call for a new Russian empire. Across the Atlantic, the U.S.’ long existing imperial policies have never been voiced more clearly than under the Trump presidency with the palingenetic campaign slogan “Make America Great Again,” and with the rise of a new radical right-wing movement, the alt-right. While these developments have been analyzed from the perspective of political science, literary studies investigations have been scarce. Literary expertise, however, is absolutely necessary when analyzing this recent surge in neo-imperialism, for a socio-political approach does not fully capture the historical and rhetorical thrust of these issues. Purely historical analyses, on the other hand, often disregard how right-wing notions are developed collectively through literary and fictional means. To address this lacuna of scholarship, the project reads literary texts, more specifically speculative fiction, a highly popular genre of literature including sci-fi, fantasy, and alternate history, for which the concept of alternative utopia will be coined, against the background of far-right texts written or spoken for a realpolitik audience, such as speeches, articles, and essays. Both textual genres will be analyzed with regard to the permeability of fiction and faction by means of close readings in terms of narratology and reader-response criticism in order to reveal the way in which they intend to influence society’s opinion-forming processes. In a synchronic approach, the two national discourses, which are inextricably intertwined, are then compared to reveal the ways in which they adopt the other’s rhetoric and line of argument, without disregarding the specificity of each literary tradition. This thesis thus aims at examining the literary access to political topics in fictional texts through a comparative approach, paving the way for further interdisciplinary radical right studies, which, in an age of ever-increasing right-wing violence, is needed in order to properly assess, deconstruct, and counteract this discriminatory discourse.

sofie.sabbioni@clutterunibas.ch

Im Fadenkreuz von Mystik, Primitivismus und Psychiatrie. Zum Erzählen bei Kubin, Ball, Einstein und Musil
Deutsche Literaturwissenschaft

In meiner Dissertation möchte ich das Werk von drei Wegbereitern der literarischen Moderne, die sowohl als Schriftsteller wie als Künstler bzw. Kunstkritiker aktiv waren und in dieser Doppelfunktion in der Forschung bislang wenig Beachtung gefunden haben, neu erschließen: Es geht um Alfred Kubin, Hugo Ball und Carl Einstein.

Dabei gehe ich zunächst diskurshistorisch vor und verfolge die These, dass sich Kubin, Ball und Einstein mit ihrem intermedialen Werk im Fadenkreuz von Primitivismus, Mystik und Psychiatrie positionieren. Auf dieser These aufbauend möchte ich mich in einem zweiten Schritt einem Close Reading bzw. genauen Bild- und Performanceanalysen ausgewählter Werke widmen:

Alfred Kubins Roman Die andere Seite (1909) und den darin enthaltenen Zeichnungen (inkl. dem umfangreichen Nachlass), den Performances des Zürcher Cabaret Voltaire und deren später Reflexion in Hugo Balls Die Flucht aus der Zeit (1927), den kunst- und zeitkritischen Überlegungen Carl Einsteins in Die Fabrikation der Fiktionen. Eine Verteidigung des Wirklichen (1933/34) und Die Kunst des 20. Jahrhunderts (1931) und, von dort zurückblickend, seinem für die Avantgarden wegweisenden Roman Bebuquin: oder Die Dilettanten des Wunders (1912) und den Studien zur Negerplastik (1915).

In einem letzten Schritt möchte ich am Beispiel Robert Musils und seinem Roman Der Mann ohne Eigenschaften (1930) fragen, ob und inwiefern die sich zwischen den Künsten und im Fadenkreuz von Mystik, Primitivismus und Psychopathologie entfaltende Vorstellungen – wie z.B. dasjenige eines „anderen“, u.a. als in besonderer Weise „bildlich“ gedachten Denkens – auch bei anderen, nicht intermedial arbeitenden Schriftstellern dieser Zeit auffinden lassen.

tina.sommavilla@clutterunibas.ch

Zwischen den Zeilen – Narratologische Analyse von Schriftartefakten in den Sagas 
Skandinavistik

Mit den Bischofs- und Gegenwartssagas,findet sich in der altisländischen Literatur des 13. und 14. Jahrhunderts ein einzigartiges vernakulares Korpus, das sich unter anderem mit den Leben der isländischen Bischöfe, des norwegischen Königs Hákon (1204–1263) und der Geschichte Islands zwischen 1117 und 1264 aus zeitgenössischer Perspektive beschäftigt. In diesen Sagas wird von zahlreichen Schriftartefakten erzählt, die im Dissertationsprojekt als Dinge auf ihre Stellung und Funktionen im Erzähltext hin untersucht werden sollen. Leitfragen meiner Untersuchung sind dabei womit Bücher, Briefe, Urkunden, Wachstafeln, Inschriften usw.assoziiert werden (Bildung, Prestige, Vermögen, etc.) und wie sie von Erzähler und Figuren behandelt, kommentiert und benutzt werden. Fällen Figuren und/oder Erzähler Werturteile, gerade Bücher betreffend? Mithilfe einer objektorientierten narratologischen Analyse, die sich neben ihrer Schriftlichkeitskomponente auch auf die narratologische Konzeptualisierung dieser erzählten Dinge konzentriert, soll sich mein Projekt ihnen auf eine Weise annähern, die sie sowohl aus der Perspektive der Material Philology heraus betrachtet, als auch ihre Körperlichkeit in Verbindung mit den durch Schrift in ihnen gespeicherten Informationen thematisiert. So gewonnene Erkenntnisse sollen dann für ein besseres Verständnis der Überlieferungsgesellschaft und von Schriftlichkeit und Schrifthandeln in der isländischen Erzählliteratur nutzbar gemacht werden.

p.wegener@clutterunibas.ch 

Geister der Effizienz. Charisma, Spiritismus und Okkultismus als Phänomene der Leistungsmentalität in der Literatur der 1920–30er-Jahre
Deutsche Literaturwissenschaft

Das Dissertationsprojekt ist Teil des SNF-Projekts „Aura und Effizienz. Leistungsorientierte Materialisierung und Spiritualisierung in der Literatur der 192030er-Jahre: Emmy Hennings, Marieluise Fleisser, Friedrich Glauser und Bruno Goetz“ (Projektleitung: Prof. Dr. Hubert Thüring). In diesem Projekt wird untersucht, wie die nach dem Ersten Weltkrieg im Zeichen der Leistung von Wissenschaft, Ökonomie und Medien forcierte Doppelstrategie einer wechselweisen Materialisierung und Spiritualisierung von körperlichen und seelisch-geistigen Funktionen und Prozessen in der Literatur der 192030er-Jahre thematisiert, performiert und reflektiert wird.

Anhand bisher kaum erforschter Erzählungen und Essays von Glauser, Goetz und Hennings spürt das Dissertationsprojekt dem eigentümliche Pendeln zwischen rationalistischem Effizienzstreben und okkultistisch-spiritistischen Denkwelten und Praktiken nach. Es schreibt den Texten ein spezifisches Potential zu, das geläufige Verständnis und die bis in die aktuellen Forschungen vertretenen Thesen der Auratisierungstendenzen als historische Gegenbewegung zum zeitgenössischen Materialismus zu dekonstruieren, indem sie mittels verschiedenartigster, teils experimenteller poetischer Verfahren die gegenseitige Durchdringung von spiritualistischen und rationalistischen Elementen durchqueren.
Die ausgewählten Texte fächern ein breites Spektrum von Macht-Wissen-Beziehungen auf, die vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Leistungsmentalität in Kombination mit den verbreiteten Auratisierungstendenzen im Erzählfokus stehen. Die Effizienzvisionen verschiedener Macht-Wissen erfahren hierbei im Feld zeitgenössischer Psychiatrie- und Gefängnisdiskurse eine besonders perspektivendichte experimentelle Verhandlung. Unter Bezugnahme auf verschiedene Konzepte zur Machtperformanz operiert das Dissertationsprojekt mit der These, dass die Texte mit ganz unterschiedlichen motivischen und stilistischen Zugriffen die charismatischen Wirkprinzipien von institutioneller Gewalt und zugleich die Aneignung von materialistischen Techniken seitens okkulter Führungsfiguren offenlegen.

katharina.wolf@clutterunibas.ch

Doktoratsprogramm Literaturwissenschaft | Universität Basel | Dr. Dr. Christian Hänggi | Nadelberg 6 | 4051 Basel dpl.dslw.unibas.chdok-lit@clutterunibas.ch