Veranstaltung:

24Jun 2020
18:00 - 20:00

Ort:
Online (via Zoom)

Öffentliche Veranstaltung

Literatur und Infektion: Szenarien der Ansteckung

Ein virtuelles Salongespräch, initiiert vom Basler Germanisten Alexander Honold, Johann-von-Spix-Professur 2020 der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Die Corona-Pandemie führt seit Monaten zu hitzigen politischen Diskussionen, zwingt dazu, wirtschaftlich wie gesellschaftlich kostspielige Lösungswege zu beschreiten und diese stets neu zu vermessen. Auf der Suche nach Ratschlägen sind vor allem Naturwissenschaft und Medizin gefragt. Aber was hat eigentlich die Literatur zu Formen und Auswirkungen eines solchen Ausnahmezustandes zu sagen? Sehr viel, wie der Basler Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Alexander Honold in einem virtuellen Salongespräch an der Graduiertenschule Literatur, Kultur, Medien der Universität Bamberg zeigen will. Gemeinsam mit drei Bamberger Kolleginnen und Kollegen lädt der derzeitige Spix-Gastprofessor am Mittwoch, 24. Juni 2020, ab 18 Uhr zur offenen, digitalen Gesprächsrunde „Literatur und Infektion. Szenarien der Ansteckung“ ein.

„Die Beschäftigung mit gefährlichen Infektionskrankheiten ist in der Literaturgeschichte ein weit zurückreichendes, vielfältiges Thema“, erklärt Alexander Honold. „Wohl auch deshalb, weil der unsichtbaren Gefahr so effektvoll drastische Folgen gegenüberstehen: Rapide umlaufende Krankheiten rühren an Gesellschaften: Sie können durch ein intensiveres Lebensgefühl Faszinationsmomente hervorrufen, aber auch Schreckbilder freisetzen.“

Zwei Beispiele: Der italienische Schriftsteller Giovanni Boccaccio ließ die Figuren seiner Novellensammlung „Decamerone“ aus dem Pest-bedrohten Florenz des 14. Jahrhunderts fliehen. Thomas Mann hingegen sucht in seiner Venedig-Novelle von 1912 ausgerechnet in der Cholera-verseuchten Lagunenstadt eine vitale Stärkung und den Ausweg aus einer Schreibblockade. Doch eines ist dem literarischen Motiv der Infektionskrankheit gemeinsam: In Daniel Defoes Londoner Pesttagebuch, in Jeremias Gotthelfs „Schwarzer Spinne“ oder Albert Camus’ „Die Pest“ benennt die umlaufende Infektion stets eine gesellschaftliche Krise. Im Zentrum des Gesprächs steht die Frage, ob und wie solche Bücher in der aktuellen Pandemie als Orientierungshilfe dienen können.

Gesprächspartner/innen

  • Prof. Dr. Alexander Honold, Basel, Johann-von-Spix-Professur 2020
  • Prof. Dr. Lale Behzadi, Arabistik
  • Prof. Dr. Friedhelm Marx, Neuere deutsche Literaturwissenschaft
  • Prof. Dr. Kai Nonnenmacher, Romanische Kultur- und Literaturwissenschaft

Das Gespräch findet via Zoom statt und steht allen Interessierten offen.

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Kontakt: Öffentlichkeitsarbeit DSLW